|
SCHMERZTHERAPIEZENTRUM |
Erfahrung schon seit 1983
STUMPF- und PHANTOMSCHMERZEN
Nach jeder
unfallbedingten oder operativen (z.B. wegen Durchblutungsstörungen)
Amputation kann es zu Stumpf- und/oder
Phantomschmerzen kommen.
1) Stumpfschmerzen
Stumpfschmerzen
sind häufig durch taktile (= den
Tastsinn betreffende)
oder thermische (= temperaturbedingte) Reize triggerbar (=
auslösbar).
Oft besteht Druckschmerzhaftigkeit und besonders im Narbenbereich eine
Hyperästhesie
(= Überempfindlichkeit
auf Berührung).
Im Unterschied zu Phantomschmerzen
treten
Stumpfschmerzen eher
anhaltend, also als
Dauerschmerz auf.
Beim sog. "Stumpfschlagen"
(unwillkürliche, anfallsartig auftretende, schmerzhafte Stumpfbewegungen) sind
wahrscheinlich spinale (= im
Rückenmark ablaufende)
Mechanismen beteiligt (Thoden 1987).
Der Stumpfschmerz
wird überwiegend lokal (= örtlich)
verursacht, so z.B. mechanisch infolge schlecht
sitzender Prothese, vaskulär (= die Blutgefäße
betreffend) oder entzündlich.
-
Beim Stumpfschmerz
handelt es sich
um einen sog. Nozizeptorschmerz
(Nozizeptorenschmerz). Hierunter
versteht man die Aufnahme einer körperlichen Störung oder Schädigung mit Hilfe
eines Rezeptors und Weiterleitung als Schmerzreiz über das Nervensystem zum
Gehirn. Ein Rezeptor ist eine Art „Empfangseinrichtung“ einer Zelle oder eines
Organs bzw. Systems. Je nach der Art des zu registrierenden Reizes
wird dieser als z.B. Chemo-, Thermo-, Baro- (=
den Blutdruck betreffender),
akustischer oder taktiler (= den
Tastsinn betreffender) Schmerzrezeptor bezeichnet.
2) Phantomschmerzen
Phantomschmerzen,
die von schmerzlosen Phantomempfindungen zu unterscheiden sind, treten meist
unmittelbar nach der Amputation
auf. Wir sehen jedoch immer wieder Fälle, bei
denen sich Phantomschmerzen
erst nach Jahren, in Ausnahmefällen sogar erst nach
Jahrzehnten, einstellten.
Die Angaben zu Schmerzperiodizität und Schmerzqualität
lassen kein einheitliches Muster erkennen. Bei der Abfrage der Schmerzqualität
dominieren Begriffe wie "brennend", "schneidend" und "wie eingeklemmt".
Überwiegend wird ein attackenförmiger Verlauf der
Nervenschmerzen
angegeben, wobei die
Schmerzattacken minuten- bis tagelang dauern können. Bei fast allen Patienten mit Phantomschmerzen
liegt eine klimatische Schmerzmodulation
(= Änderung des Schmerzzustandes)
vor.
Bezüglich der Phantomempfindungen kommt es bei 30-59% der Patienten zu einem
sog. Teleskopeffekt. Darunter ist eine Veränderung im Längenempfinden
zu verstehen, das über die Jahre hinweg zunimmt, so daß schließlich die
Hand direkt
am
Oberarmstumpf oder
der Fuß direkt
am Oberschenkelstumpf empfunden
wird.
Ätiologie
(= Krankheitsursache)
und Pathogenese (=
Krankheitsentwicklung)
des Phantomschmerzes liegen noch im Dunkeln, an theoretischen Denkmodellen
mangelt es jedoch nicht. Diskutiert werden örtliche (Kossmann et al.
1986), zentrale (= im
Rückenmark /
Gehirn verursachte)
(Lückung et al. 1988, Nordenboos 1959), ein Zusammenspiel
örtlicher und zentraler (Krainick et Thoden 1976) sowie
psychische
Faktoren (Mitscherlich 1947).
-
Bei
Phantomschmerzen
liegen sog. neuropathische Schmerzen (Nervenschmerzen)
vor. Bei dieser
Schmerzart ist das
schmerzleitende System
selbst gestört oder geschädigt, es handelt sich sozusagen um einen „Nerveneigenschmerz“.
http://www.wissenschaft.de/wissen/news/266039.html).
Aus diesem Grunde besteht eine berechtigte Indikation für periphere
(= außerhalb von Gehirn oder Rückenmark)
Nervenblockaden (siehe weiter unten).
Schmerztherapie
Besonders
bei anfallsartigen, einschießenden Amputationsschmerzen
(Stumpf- und/oder Phantomschmerzen) sollten Antikonvulsiva (z.B.
Carbamazepin, Gabapentin oder Pregabalin) (= Mittel gegen
das Anfallsleiden, auch bei
Amputationsschmerzen wirksam)
versucht werden. Hin und
wieder ist auch ein Therapieversuch mit Baclofen (= Mittel zur Muskelentspannung)
erfolgreich. In den letzten
Jahren wurde immer wieder eine Therapie mit Calcitonin (= ein Hormon der Schilddrüse)
propagiert (Kessel et Wörz 1987). Uns hat die Wirkung bei
chronischen Stumpf- und/oder Phantomschmerzen nicht überzeugen können.
Jedoch soll die frühzeitige Gabe von Calcitonin sehr hilfreich sein (Döbler
et Zenz 1994). Leider kommt man in vielen Fällen aber nicht um
die Gabe von Opioiden (= morphiumähnliche Schmerzmittel)
herum.
Unterstützend
(selten als einzige Therapie ausreichend) haben sich auch Antidepressiva (=
eigentlich ein Mittel gegen
Depressionen, aber auch bei einem Amputationsschmerz hilfreich) zur Schmerzdistanzierung
sehr bewährt. Wir bevorzugen Maprotilin und Doxepin.
Nervenblockaden* (Leeser
et Hefermann , Leeser et Brückner 1988)
Bei
Stumpf- und/oder Phantomschmerzen im
Armbereich wiederholte axilläre Plexusblockaden
(= Blockaden des Armnervengeflechts nahe der Achselhöhle),
optimal mit Katheter* (=
eingepflanzter dünner Kunststoffschlauch),
bei hoher
Amputation
ohne oder mit nur geringem Reststumpf die wiederholte hohe
interskalenäre
Plexusblockade
(=
Blockade des Armnervengeflechts im seitlichen Halsbereich), ebenfalls mit
Katheter möglich.
Im
Beinbereich zunächst diagnostische Blockaden (Nervus femoralis, evtl. als
3-in-1-Blockade; Nervus ischiadicus), bei positiver Wirkung dann wiederholte
Blockaden mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain),
zur Erhöhung der Blockadefrequenz auch mit Katheter (Leeser
et al. 1987),
bei hoher
Beinamputation
oder Exartikulation (= im
Hüftgelenk herausgetrennt)
kontinuierliche Periduralblockade (=
rückenmarknahe Blockade) mit Katheter*.
Wenn bei
Phantomschmerzen
lumbale (= den Kreuzbereich betreffende) Grenzstrangblockaden
(= Blockaden des autonomen, vegetativen Nervensystems im Bereich
der Lendenwirbelsäule)
wirksam sind, bietet sich die kontinuierliche peridurale (= rückenmarknahe)
Blockade
mit Katheter* an. Bei einer
Armamputation
können Blockaden des Ganglion
stellatum (= vegetative Schaltstelle im seitlichen
Halsbereich)
versucht werden.
In seltenen Fällen wird man sich zu einer rückenmarknahen
Morphin-Applikation mittels einer eingepflanzten Medikamentenpumpe
("Schmerzpumpe") entschließen.
Die Suche geeigneter Körperpunkte zur Durchführung der elektrischen, transkutanen (= über die Haut verabreichte) Nervenstimulation (TENS) zur Erzielung einer optimalen Wirkung kann sehr zeitaufwendig sein, auf jeden Fall sollte bei Stumpf- und/oder Phantomschmerzen auch die kontralaterale Extremitäten (= Arm / Bein gegenüberliegend) mit einbezogen werden. Meist ist jedoch die schmerzlindernde Wirkung nicht so ausgeprägt, als dass man auf eine Kombination mit anderen Maßnahmen verzichten könnte.
Außer der periduralen (= rückenmarknahen)
Rückenmarksstimulation mittels eingepflanzter Elektroden (DCS) sollten bei
Amputationsschmerzen operative Methoden nur
bei Therapieresistenz zum Einsatz kommen. Hier sind zu erwähnen: - Chordotomie (= Durchtrennung von Schmerzbahnen im Rückenmark) -
DREZ- Läsion (Läsion der dorsal-root-entry-zone) (= elektrische
„Verkochung“/Zerstörung der hinteren Schmerzeintrittszone am Rückenmark).
Die früher empfohlene Thalamotomie (= elektrische
„Verkochung“ einer schmerzleitenden Umschaltstelle im Gehirn) ist
mit einem zu hohen Risiko behaftet (Thoden 1987). Nachresektionen
(= weitere operative Teilentfernung)
des Stumpfes sind allenfalls vorübergehend wirksam.
Flankierende Maßnahmen:
Beim Stumpfschmerz
wirkt häufig eine oberflächliche Kältebehandlung zusätzlich
schmerzlindernd, gleiches gilt für Wechselbäder.
Auch die
Akupunktur
kann bei Schmerzen nach einer Amputation
zu einer Linderung führen, aber als alleinige
Therapiemaßnahme i.d.R. nicht ausreichend.
Oftmals lässt sich auch durch die Vermittlung von Entspannungstechniken
eine zusätzliche Besserung erzielen, auch Biofeedback
(= Registrierung und
Rückmeldung bioelektrischer Signale) soll hilfreich sein (Thoden
1987).
Zum Abbau von psychosozialen
Spannungsfeldern sollten
psychologische Interventionen versucht werden,
regelmäßig ist auch ein
Schmerzbewältigungstraining hilfreich. Nach unserer Beobachtung
sind Patienten mit einem Amputationsschmerz
im Hinblick auf
Schmerzmittelabusus
(= Schmerzmittelmißbrauch)
oder gar -abhängigkeit (gilt teilweise auch für Beruhigungsmittel) besonders
gefährdet. In diesen Fällen leiten wir unverzüglich eine stationäre
Entzugsbehandlung ein.
-
Wenn
Stumpf- und/oder Phantomschmerzen
längerfristig
bestehen, so ist davon auszugehen, dass bereits ein Chronifizierungsgrad
II, meist sogar III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist
eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich
psychologisch
/psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
* Bei der sog.
kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch
vorübergehend (z.B. 10-14 Tage lang) dicht
an Nervengeflechte bzw. den betroffenen
Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung
erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muss also nicht
„aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals
täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das
Lokalanästhetikum
(= örtliches
Betäubungsmittel)
völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur
Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch
eine kleine Pumpe angeschlossen werden.
Nach neueren Erkenntnissen kann diese intensive Blockadetherapie das sog.
Schmerzgedächtnis löschen, auch bei Stumpf- und Phantomschmerzen.
Haftungshinweis:
Für die gemachten Angaben wird keine Gewähr übernommen; im Einzelfall ist immer
ein Arzt zu konsultieren! Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen
wir auch keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der
verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.
Welche Vorteile bietet eine
Schmerzbehandlung im
SCHMERZTHERAPIEZENTRUM Bad Mergentheim?
Große Erfahrung, in der Klinik werden schon seit 1983 aus-schließlich Patienten mit chronischen Schmerzen behandelt.
Für gesetzlich versicherte Patienten werden nach § 40 bzw. 111 SGB V Rehabilitations- und für Privatpatienten (auch Beihilfe) Krankenhausbehandlungen gemäß OPS 8-918 durchgeführt. Teilweise übernehmen auch Rentenversicherungen und Berufsgenossenschaften die Kosten.
Hohe fachliche Kompetenz, die Klinik bzw. der Chefarzt besitzt die volle Weiterbildungsermächtigung der Ärztekammer für das Fachgebiet "Spezielle Schmerztherapie", 1 Jahr Anästhesie sowie 18 Monate Physikalische und Rehabilitative Medizin.
Umfassendes Therapieangebot, Durchführung aller anerkannten schulmedizinischen und einiger naturheilkundlichen Therapieverfahren, auch Akupunktur, bis hin zur Implantation von Morphinpumpen und Rückenmarkstimulationssystemen.
Die Kostenübernahme muß aber vorher bei der Krankenkasse (auch private Kasse oder Beihilfe) beantragt werden.
Wenn Sie Fragen haben oder ein anderes spezielles Schmerzthema suchen, schicken Sie uns einfach ein kurzes E-Mail: stz-info@t-online.de. Wir informieren Sie prompt. Wir haben über 600 Themen im Internet, diese können wir hier nicht alle auflisten.
Infos können Sie zu jeder
Tages- oder Nachtzeit anfordern, auch am Wochenende!
Tel.:
+49 (0) 7931 - 5493-0
* Fax: +49
(0) 7931 - 5493-50
Wenn Sie ein ernstes Schmerzproblem haben, können wir Sie werktäglich zwischen 11 und 12 Uhr mit einem erfahrenen Arzt verbinden (Tel. 07931-549351).