SCHMERZTHERAPIEZENTRUM
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STUMPF- und PHANTOMSCHMERZEN

Nach jeder unfallbedingten oder operativen (z.B. wegen Durchblutungsstörungen) Amputation kann es zu Stumpf- und/oder Phantomschmerzen kommen.

1) Stumpfschmerzen

Stumpfschmerzen sind häufig durch taktile (= den Tastsinn betreffende) oder thermische (= temperaturbedingte) Reize triggerbar (= auslösbar). Oft besteht Druckschmerzhaftigkeit und besonders im Narbenbereich eine Hyperästhesie (= Überempfindlichkeit auf Berührung). Im Unterschied zu Phantomschmerzen treten Stumpfschmerzen eher anhaltend, also als Dauerschmerz auf.
Beim sog. "Stumpfschlagen" (unwillkürliche, anfallsartig auftretende, schmerzhafte Stumpfbewegungen) sind wahrscheinlich spinale
(= im Rückenmark ablaufende) Mechanismen beteiligt (Thoden 1987).
Der Stumpfschmerz wird überwiegend lokal
(= örtlich) verursacht, so z.B. mechanisch infolge schlecht sitzender Prothese, vaskulär (= die Blutgefäße betreffend) oder entzündlich.
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Beim Stumpfschmerz handelt es sich um einen sog. Nozizeptorschmerz (Nozizeptorenschmerz). Hierunter versteht man die Aufnahme einer körperlichen Störung oder Schädigung mit Hilfe eines Rezeptors und Weiterleitung als Schmerzreiz über das Nervensystem zum Gehirn. Ein Rezeptor ist eine Art „Empfangseinrichtung“ einer Zelle oder eines Organs bzw. Systems. Je nach der Art des zu registrierenden Reizes wird dieser als z.B. Chemo-, Thermo-, Baro- (= den Blutdruck betreffender), akustischer oder taktiler (= den Tastsinn betreffender) Schmerzrezeptor bezeichnet.


2) Phantomschmerzen

Phantomschmerzen, die von schmerzlosen Phantomempfindungen zu unterscheiden sind, treten meist unmittelbar nach der Amputation auf. Wir sehen jedoch immer wieder Fälle, bei denen sich Phantomschmerzen erst nach Jahren, in Ausnahmefällen sogar erst nach Jahrzehnten, einstellten.
Die Angaben zu Schmerzperiodizität und Schmerzqualität lassen kein einheitliches Muster erkennen. Bei der Abfrage der Schmerzqualität dominieren Begriffe wie "brennend", "schneidend" und "wie eingeklemmt". Überwiegend wird ein attackenförmiger Verlauf der Nervenschmerzen angegeben, wobei die
Schmerzattacken minuten- bis tagelang dauern können. Bei fast allen Patienten mit Phantomschmerzen liegt eine klimatische Schmerzmodulation (= Änderung des Schmerzzustandes) vor.
Bezüglich der Phantomempfindungen kommt es bei 30-59% der Patienten zu einem sog. Teleskopeffekt. Darunter ist eine Veränderung im Längenempfinden zu verstehen, das über die Jahre hinweg zunimmt, so daß schließlich die
Hand direkt am Oberarmstumpf oder der Fuß direkt am Oberschenkelstumpf empfunden wird.
Ätiologie
(= Krankheitsursache) und Pathogenese (= Krankheitsentwicklung) des Phantomschmerzes liegen noch im Dunkeln, an theoretischen Denkmodellen mangelt es jedoch nicht. Diskutiert werden örtliche (Kossmann et al. 1986), zentrale (= im Rücke
nmark / Gehirn verursachte) (Lückung et al. 1988, Nordenboos 1959), ein Zusammenspiel örtlicher und zentraler (Krainick et Thoden 1976) sowie psychische Faktoren (Mitscherlich 1947).
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Bei Phantomschmerzen liegen sog. neuropathische Schmerzen (Nervenschmerzen) vor. Bei dieser Schmerzart ist das schmerzleitende System selbst gestört oder geschädigt, es handelt sich sozusagen um einen „Nerveneigenschmerz“.
Phantomschmerzen entstehen direkt im betroffenen Nerv und nicht wie zuvor vermutet, im zentralen Nervensystem (Rückenmark/Gehirn). Dies haben ein kanadisch-australisches Forscherteam unter der Leitung von Peter Smith von der Universität von Alberta herausgefunden (6.6.2006 http://www.wissenschaft.de/wissen/news/266039.html). Aus diesem Grunde besteht eine berechtigte Indikation für periphere (= außerhalb von Gehirn oder Rückenmark) Nervenblockaden (siehe weiter unten).


Schmerztherapie


Flankierende Maßnahmen:

Beim Stumpfschmerz wirkt häufig eine oberflächliche Kältebehandlung zusätzlich schmerzlindernd, gleiches gilt für Wechselbäder.
Auch die Akupunktur kann bei Schmerzen nach einer Amputation zu einer Linderung führen, aber als alleinige Therapiemaßnahme i.d.R. nicht ausreichend.
Oftmals lässt sich auch durch die Vermittlung von Entspannungstechniken eine zusätzliche Besserung erzielen, auch Biofeedback (= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale) soll hilfreich sein (Thoden 1987).
Zum Abbau von psychosozialen Spannungsfeldern sollten psychologische Interventionen versucht werden, regelmäßig ist auch ein Schmerzbewältigungstraining hilfreich. Nach unserer Beobachtung sind Patienten mit einem Amputationsschmerz
im Hinblick auf Schmerzmittelabusus
(= Schmerzmittelmißbrauch) oder gar -abhängigkeit (gilt teilweise auch für Beruhigungsmittel) besonders gefährdet. In diesen Fällen leiten wir unverzüglich eine stationäre Entzugsbehandlung ein.
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Wenn
Stumpf- und/oder Phantomschmerzen längerfristig bestehen, so ist davon auszugehen, dass bereits ein Chronifizierungsgrad II, meist sogar III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.


* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch vorübergehend (z.B. 10-14 Tage lang) dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muss also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden.
Nach neueren Erkenntnissen kann diese intensive Blockadetherapie das sog. Schmerzgedächtnis löschen, auch bei Stumpf- und Phantomschmerzen.

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